04. April 2025, 13:04 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Stefan Schmidt, Landesgeschäftsführer des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Dr. Sabine Kittel vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) und Werner Wöll, Bürgermeister der Stadt Gelsenkirchen und Kreisvorsitzender des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.. Bildrechte: Gerd Kaemper
Der im Jahr 1893 in Rotthausen eröffnete Friedhof hat viel über die Geschichte zu erzählen. Hier erinnern Kriegsgräber an die Schrecken beider Weltkriege, an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und an die tödlichen Gefahren im Bergbau.
Doch wo genau sind die Kriegsgräberstätten und Denkmale auf dem Friedhof zu finden, und was haben sie zu erzählen? Eine am Freitag, 4. April, enthüllte Infotafel an der Hilgenboomstraße 35 gibt Antworten. Erarbeitet haben sie in einer Kooperation das Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Am 10. April 1945 befreiten US-amerikanische Truppen Gelsenkirchen vom Nationalsozialismus. Die Erinnerung an die Gräuel des Krieges soll 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht verblassen – im Gegenteil.
Die Infotafel erläutert die Stätten des Gedenkens wie das Rondell aus massiven Quadersteinen, die Kreuze darstellen und in jede Himmelsrichtung ausgerichtet sind. Hier befinden sich über 120 Gräber sowohl im Ersten Weltkrieg als auch im Zweiten Weltkrieg gefallener Soldaten. Es sind überwiegend Soldaten, die in Gelsenkirchener Lazaretten an ihren Kriegswunden starben, und die nicht aus Gelsenkirchen stammten.
Es waren nicht nur Soldaten, die ihr Leben lassen mussten. Als ab 1943 auch auf Rotthausen bei schweren Luftangriffen immer wieder Bomben fielen, waren viele Frauen und Kinder unter den über 200 Opfern. Seit dem Jahr 1959 steht hier die Skulptur „Trauer und Trost“.
Wer gegen den nationalsozialistischen Terror aufbegehrte, wurde verfolgt und auch ermordet, wie der in Rotthausen geborene Kommunist Friedrich „Fritz“ Rahkob. Die Nationalsozialisten hatten ihn am 23. August 1944 in Stuttgart hingerichtet. Erst nach dem Krieg wurde die Asche des Widerstandskämpfers 1947 im Urnenhain des Verbands für Freidenkertum und Feuerbestattung Rotthausen unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.
An die tödlichen Gefahren im Bergbau erinnern gleich drei Denkmale. Eines ist die Ehrenstätte für die Opfer der Schlagwetterexplosion am 23. August 1943 auf der Zeche Dahlbusch in Rotthausen. Unter Tage kamen 38 Menschen ums Leben. Unter ihnen waren 22 Zwangsarbeiter, die meisten von ihnen aus der Sowjetunion. An ihr Schicksal erinnert eine erst im Jahr 2017 von Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger gestiftete Inschrift.
Es war nicht die einzige Schlagwetterexplosion auf Dahlbusch. Am 20. Mai 1950 kamen bei einer weiteren Explosion 78 Bergmänner um. Ein bronzenes Denkmal bestehend aus vier lebensgroßen Knappen erinnert an das Unglück. Die Liegesteine rechts und links des Denkmals nennen die Namen und Geburtsdaten der Bestatteten.
Fünf Jahre später, am 3. August 1955, kam es erneut zu einer Schlagwetterexplosion auf der Rotthauser Zeche. Eine auf dem Boden liegenden Gedenktafel hält die Erinnerung an den Tag wach, an dem 42 Bergmänner starben, von ihnen konnten 17 erst zwei Jahre später geborgen werden. An der Trauerfeier nahmen 100.000 Menschen teil. Trauerredner war, wie schon 1950, Bundespräsident Theodor Heuss.
In Gelsenkirchen ruhen auf sechs Friedhöfen 5.703 Kriegstote beider Weltkriege. Die Informationstafel in Gelsenkirchen-Rotthausen ist die vierte, die in gemeinsamer Kooperation des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. entstanden ist.
Über 2.100 Kriegsgräberstätten mit mehr als 333.000 Gräbern gibt es allein in Nordrhein-Westfalen. Auf mehr als 100 Kriegsgräberstätten hat der Volksbund, in der Regel gemeinsam mit Kooperationspartnern, Informationstafeln errichtet.